Leicht am Ende des Tunnels

Sind leichte Holzwerkstoffe besser für den Klimaschutz? Eine ökobilanzielle Betrachtung

Eine Maßnahme, um die Nutzungskonkurrenz von stofflicher und energetischer Holznutzung zu vermindern, kann es sein, leichtere Holzprodukte herzustellen und damit die Ressourceneffizienz zu verbessern. Es wäre zu erwarten, dass leichtere Werkstoffe damit auch einen noch höheren Beitrag zum Klimaschutz leisten als konventionale Holzwerkstoffe. In der heutigen Betrachtungsweise ist dies aber nicht der Fall. Ökobilanzen (LCA) und ökologogische Produktdeklarationen (EPD) sind so angelegt, dass Holzprodukte mit einer niedrigen Rohdichte (dadurch geringem Gewicht) einen höheren Wert in der Leitkategorie Treibhauspotential (GWP) ausweisen als Holzprodukte mit einer höheren Rohdichte. D.h., eine höhere Ressourceneffizienz bei der Herstellung von Holzwerkstoffen macht sich im Bezug auf den Beitrag zum Klimaschutz nicht positiv bemerkbar – im Gegenteil: Leichte Werkstoffe werden diskriminiert. Das der Ökobilanzierung zugrunde liegende Bilanzmodell ist daher unzureichend, die Ressourceneffizenz bei Holzprodukten angemessen zu bewerten.

Marcus Knauf schlägt in einem Beitrag für das European Journal of Wood and Wood Products vor, den aus der Ökonomie bekannten Ansatz der Opportunitätskosten auf die Ökobilanzierung zu übertragen. Dadurch ist es möglich, die Ressourceneffizienz von leichten Werkstoffen angemessen zu berücksichtigen. Mit Hilfe des Konzepts der Opportunitätskosten ist es möglich, Holzwerkstoffe unterschiedlicher Rohdichte hinsichtlich ihrer GWP-Bilanz besser zu vergleichen. Die Überlegungen beziehen sich nicht nur auf Holzwerkstoffe sondern auf alle Holzprodukte bzw. sogar auf alle Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen.

Der Beitrag Applying Opportunity Costs to Correctly Interpret Resource Efficiency in LCA Studies and Environmental Product Declarations ist im März 2015 erschienen.

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Systematisierung der Bewertung des Beitrags der Forst- und Holzwirtschaft zur Kohlenstoffbilanz

Der Artikel A multi-tiered approach for assessing the forestry and wood products industries’ impact on the carbon balance schlägt ein Modell vor, wie der Beitrag der Forst- und Holzwirtschaft zum Klimaschutz bzw. zur CO2-Reduktion umfassend bewertet werden kann. Dabei werden ganzheitlich alle Speicher- und Substitutionseffekte aus Forstwirtschaft und Holznutzung einbezogen.

Durch den Beitrag findet erstmalig eine Bewertung statt, die auch die Konsumentenseite (Carbon Footprint) einbezieht. Es werden drei verschiedene Ansätze zur Bewertung unterschieden und systematisiert: neben dem Consumer-orientierten Ansatz (Carbon Footprint), dem kyoto-orientierten Ansatz auch ein wertschöpfungsorientierter Ansatz, der auf die Wertschöpfungskette Forst-Holz fokussiert. Die drei Ansätze ermöglichen jeweils unterschiedliche Aussagen, so ist der Consumer-orientierter Ansatz z.B. geeignet klimapolitische Fördermaßnahmen, die mit einer höheren Holznutzung verbunden sind, zu beurteilen; der wertschöpfungsorientierter Ansatz ist eine Grundlage zur klimaoptimalen Ausrichtung der Forst- und Holzwirtschaft.

Es wird beschrieben, welche Datenbasis notwendig ist, die CO2-Reduktion nach den verschiedenen Ansätzen zu berechnen. Auf Basis einer Fallstudie für Nordrhein-Westfalen wird gezeigt, dass auch regionale Betrachtungen möglich sind.

A multi-tiered approach for assessing the forestry and wood products industries’ impact on the carbon balance ist in der Zeitschrift Carbon Balance and Management erschienen und frei zugänglich (Open Access).

Hidden Champion im Klimaschutz

In der Januarausgabe der vom Deutschen Forstverein herausgegebenen Zeitschrift proWald geben Marcus Knauf und Arno Frühwald einen Überblick über die Bedeutung der Forst- und Holzwirtschaft für den Klimaschutz. Sie beziffern Effekte, die sich aus der Kohlenstoffspeicherung im Wald und in Holzprodukten und durch Substitutionseffekte ergeben. Der Beitrag verdeutlicht die Größenordnung, die der Cluster Forst und Holz für den Klimaschutz leistet. Für die Öffentlichkeit ist dieser Beitrag oftmals nicht sichtbar – daher erscheint der Begriff des „Hidden Champions im Klimaschutz“ für die Forst- und Holzwirtschaft angemessen.

Zum Beitrag: Die Forst- und Holzwirtschaft – Hidden Champion im Klimaschutz

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Analyse der Altholznutzung aus Ökobilanzsicht

In Forest Policy and Economics analysiert Marcus Knauf die Altholznutzung aus ökobilanzieller Sicht.

Die EU-Altholzverordnung definiert mit der Abfallhierarchie den Umgang mit Abfall in den Mitgliedsländern der EU. Diese Festlegung gilt auch für Biomasse, so dass für Altholz das Recycling Vorrang hat vor der energetischen Verwertung. Bisherige Ökobilanzstudien belegen die ökologische Vorteilhaftigkeit der Abfallhierarchie im Bezug auf Altholz; sie berücksichtigen jedoch nicht den aktuellen Kontext der Energiepolitik, die eine verstärkte Nutzung von Biomasse als Energieträger vorsieht. Bezieht man diese Rahmenbedingung und ihre Auswirkungen auf die Biomasseverfügbarkeit in die ökobilanzielle Betrachtung mit ein, so sind Recycling und energetische Altholzverwertung grundsätzlich als ökologisch gleichwertig zu bewerten. Ordnungspolitische Eingriffe in den Altholzmarkt wie die Privilegierung des Recyclings sind daher zu hinterfragen.

Der Beitrag ist in Druck, jedoch schon online verfügbar unter: Waste hierarchy revisited — an evaluation of waste wood recycling in the context of EU energy policy and the European market.

Kick-off-Meeting von BEKLIFUH: Waldklimafondsprojekt entwickelt ein Tool zur Bewertung der Klimaschutzleistung von Forst und Holz auf lokaler Ebene

Am Montag dieser Woche fand in Hamburg das Kick-off-Meeting des Projekts BEKLIFUH statt. BEKLIFUK ist ein Akronym und steht für das Verbundprojekt “Bewertung der Klimaschutzleistungen der Forst- und Holzwirtschaft auf lokaler Ebene.”

Das Projekt wird im Rahmen des Waldklimafonds gefördert.

Projektpartner in dem Projekt sind das Zentrum Holzwirtschaft (Weltforstwirtschaft), der Landesbetrieb Wald und Holz NRW, der Deutsche Städte- und Gemeindebund und Knauf Consulting.

Ziel des Projekts BEKLIFUH ist es, Forstbetrieben ein Softwaretool bereitzustellen, mit dessen Hilfe sie die Auswirkungen verschiedener Waldbewirtschaftungs- und Holzverwendungsoptionen auf das CO2-Minderungs-, Energie- und Substitutionspotenzial von Wald und Holz bewerten können. Dadurch werden objektive Informationen bereitgestellt, die eine Beurteilung zukünftiger Handlungsalternativen unter Beachtung möglicher Synergien zwischen Klimaschutz, Anpassung der Wälder an den Klimawandel und Erhalt der biologischen Vielfalt erlauben. Das Projekt verbindet in einem ganzheitlichen Ansatz die positiven Effekte einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung und Holzverwendung für den Schutz des Klimas.

Eine Kurzbeschreibung des Projekts mit den wichtigsten Rahmendaten findet sich auf den Internetseiten des Waldklimafonds.

Foto StMELF

Staatsminister Brunner gibt Startschuss für bayerische Clusterstudie Forst und Holz

Der bayerische Staatsminister Brunner hat den Startschuss für die bayerische Clusterstudie Forst und Holz gegeben. Bis Ende nächsten Jahres werden Knauf Consulting zusammen mit der Clusterinitiative Forst und Holz Bayern und der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) den Cluster Forst und Holz analysieren und Handlungsempfehlungen zur Erhaltung und Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit erarbeiten.

Der bayerische Cluster Forst und Holz erwirtschaftet einen Umsatz von ca. 38 Mrd. Euro und hat mehr als 200.000 Erwerbstätige.

(Foto: StMELF)

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Mehr als 60 % des Holzes wird in Deutschland energetisch genutzt

In einem Beitrag für Forest Policy and Economics analysiert Marcus Knauf die in Deutschland verbreiteten Methoden der Holzmarktbilanzierung. Er schlägt eine Weiterentwicklung der Holzrohstoffbilanz zur Holzmarktbilanz vor. Die von Knauf vorgeschlagene Holzmarktbilanz zeigt, dass der Anteil des Holzes, das in Deutschland energetisch verwertet wird, deutlich höher ist, als bislang diskutiert wurde. Die Holzmarktbilanz für 2010 weist aus, dass mehr als 60 % des Holzes energetisch genutzt wurde.

Der Beitrag ist in Druck, jedoch schon online verfügbar unter: An Analysis of Wood Market Balance Modeling in Germany.

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Nachhaltigkeit – frisst die Revolution ihre Kinder?

2013 war ein Festjahr für die Forst- und Holzwirtschaft: 300 Jahre Nachhaltigkeit. Is the Sustainability Revolution Devouring Its Own Children? Understanding Sustainability as a Travelling Concept and the Role Played by Two German Discourses on Sustainability in Forests analysiert zwei für die Forst- und Holzwirtschaft in Deutschland relevante Diskurse über Nachhaltigkeit (starke Nachhaltigkeit und Nachhaltiges Bauen) und kommt zu dem Schluss, dass beide Diskurse eine Gefahr für die Forst- und Holzwirtschaft darstellen: der eine, weil er zu einer Einschränkung auf der Rohstoffseite führen kann; der andere, weil er auf der Vermarktungsseite nicht zu den von der Holzwirtschaft erhofften Vorteilen führt.