Familien unter Generalverdacht

Helen und Marcus Knauf haben in einem gerade erschienenen Beitrag für die Fachzeitschrift “neue praxis” zwei Präventionsmaßnahmen für Kinder unter sechs Jahren in Nordrhein-Westfalen untersucht. Ihr Fazit:

“Die gesellschaftlichen Diskurse um den Förderbedarf („Bildungskindheit“) und Schutzbedarf („Risikokindheit“) von Kindern haben zu einem verstärkten Eingreifen des Staates in die Erziehung von Kindern unter sechs Jahren geführt. Die staatlichen Eingriffe und Maßnahmen folgen dabei einer Präventionslogik deren Ziel es ist, problematische Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und so eine Basis für passende Interventionen zu schaffen. Der vorliegende Beitrag analysiert exemplarisch zwei Maßnahmen in Nordrhein-Westfalen: das Kindervorsorge- und Früherkennungsprogramm und die medizinische Schuleingangsuntersuchung. Kennzeichen dieser Maßnahmen ist es, dass sie nicht auf ein individuelles Erziehungsversagen der Eltern reagieren, sondern flächendeckend auf alle Kinder angewandt werden. Für diese beiden Maßnahmen kommt die Analyse zu dem Schluss, dass sie die in sie gesetzten Ziele unzureichend erfüllen. Damit fehlt die Legitimation für die erheblichen Eingriffe des Staates in Erziehungsfragen von Familien und in die Persönlichkeitsrechte von Kindern und Eltern.”