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Europas Nadelholzwälder können zum Klimaschutz beitragen – eine Antwort an Naudts et al.

Anfang Februar ist in dem renommierten Wissenschaftsmagazin Science der Beitrag „Europe’s forest management did not mitigate climate warming“ (Naudts et al. 2016) erschienen. Die Autoren stellen dabei die Kohlenstoffspeicherung als Schlüsselstrategie im Klimaschutz (vgl. die Ergebnisse der Vertragsstaatenkonferenz COP 21 in Paris) und das Forst-Management in Europa mit der Kultivierung von Nadelwäldern infrage. Der Artikel von Naudts et al. hat in den weltweiten Leitmedien eine große Beachtung gefunden.

Die Schlüsse von Naudts et al. sind weitreichend, aber weder durch den methodischen Ansatz, noch durch die Ergebnisse und deren Bewertung wissenschaftlich haltbar. Sie berücksichtigen nicht den Stand der Forschung.

Marcus Knauf und Arno Frühwald haben den Beitrag kommentiert; ihr Kommentar wurde heute als e-letter von Science angenommen und veröffentlicht. Die Kritik von Knauf und Frühwald:

1. Die Autoren blenden die historische Entwicklung die zum Waldumbau geführt hat vollkommen aus bzw. bewerten sie falsch. Nicht das Forstmanagement ist die Ursache für das Verschwinden eines Teiles der (Primär-)Laubwälder in Europa und die Umwandlung in Nadel-Wirtschaftswälder, sondern die Devastierung der Wälder mit Beginn der Industriellen Revolution, insbesondere die Landwirtschaft und der hohe Holzverbrauch für Energie, Hüttenwesen, Bergbau und Glasherstellung.

2. Die Autoren betrachten nur einen Teil der Prozesskette Forst–Holz, indem sie die Holznutzung nur über den C-Speicher Holz abbilden und nicht die Substitutionspotentiale; gleichzeitig blenden sie die höhere Holzproduktivität und stofflichen Nutzungspotenziale von Nadelwäldern aus.

3. Die positiven Effekte der Holznutzung durch Substitution fossiler Energieträger sind in der Modellierung nicht enthalten. Damit werden die Effekte der stofflichen und energetischen Substitution auf die CO2-Bilanz nicht berücksichtigt. Knauf et al. (2015) haben gezeigt, dass diese Effekte, um ein Mehrfaches höher sind als die Differenz der Speicherpotenziale von Laub- bzw. Nadelwäldern.

Bericht im Holz-Zentralblatt: „Europas Nadelholzwälder können sehr wohl zum Klimaschutz beitragen“

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